Alleine bleiben – es ist für euren Hund nicht „normal“

Wenn wir uns ein natürliches Hundeleben anschauen, dann ist „alleine sein“ nicht vorgesehen. Kein Wunder, also wenn ein Hund, der vom Menschen allein gelassen wird, mit Stress, sogar Panik darauf reagiert.
ABER ein Welpe und auch erwachsene Hund kann es lernen.
Hunde sind hochsoziale Tiere, deren natürliche Lebensweise auf das Leben in einer Gruppe ausgerichtet ist. Das Zusammenleben in einer Gruppe bietet dem einzelnen Hund Sicherheit und Schutz, denn gemeinsam ist man stark.
Im Leben mit uns Menschen sieh das anders aus. Wir können unsere Hunde nicht überall mitnehmen. Sie müssen also lernen, zumindest für einen kurzen Zeitraum auch einmal allein zu Hause zu bleiben. Und ich muss dazu aus Trainiersicht auch sagen, dass es für viele Hunde auch ein Segen ist, dass sie nicht überall dabei sein dürfen. (aber das ist ein anderes Thema😉)
In KLEINEN Schritten kann man dem Welpen beibringen: „auch wenn du mich mal nicht siehst, ich bin direkt wieder da!“
Noch nie habe ich soviele Anfragen zum „Alleine-bleiben“ Training erhalten. Woran kann das liegen?
Bei vielen Hunden handelt es sich um Hunde, die in der Coronazeit, immer ihre Menschen um sich hatten. Sie konnten am Schreibtisch liegen und schlafen, ist ihr Mensch aufgestanden, sind sie mitaufgestanden. Denn oft war dann ja die Zeit für die Aktion mit dem Vierbeiner. Es gibt auch Hunde, die nun erst neu in der Familie sind und in ihrem früheren Leben nie gelernt hatten, dass alleine zu sein, nichts Schlimmes ist.
Verliert ein Hund in der Natur den Anschluss an sein Rudel, macht er sich durch Jaulen, Heulen, oder Bellen auf sich aufmerksam, damit die Rudelmitglieder zu ihm zurückkommen.
Am besten startet man schon mit dem Welpen das Training
Auch wenn, ihr zZ denke „mein Hund muss nie alleine bleiben!“ Das kann ja auch sein, ABER es wird auch wieder eine Zeit sein, wo es nicht so ist. Und wenn es nur der Besuch beim Friseur oder Arzt ist. Und unser Leben verändert sich und wir wissen doch nicht, ob in ein paar Jahren immer noch alles so ist, wie jetzt. Denn auch das habe ich im Trainingsalltag leider schon oft erlebt. „Lydia, mein Mann und ich haben uns getrennt. Bello kann nicht so lange alleine bleiben, bis ich wieder von der Arbeit zuhause bin. Kannst du mir helfen ein neues Zuhause für ihn zu finden!?“ Das zerreißt mir das Herz.
Im Idealfall lernt der Hund das Alleinbleiben bereits im Welpenalter. Zieht der Welpe ab der neunten Woche in sein neues Zuhause, muss er hier von Beginn an lernen, einen kurzen Augenblick allein zu bleiben. Gehe dazu beispielsweise ins Bad oder einfach aus dem Raum und schließe die Tür, sodass der Welpe nicht hinterher kann. Nach wenigen Sekunden kommst du wieder heraus, sodass der Welpe lernt, dass er sich gar nicht aufzuregen braucht, wenn du einmal nicht da bist. Im nächsten Schritt die Zeit verlängern. Dann auch mal kurz aus der Wohnung gehen. Dein Welpe bleibt dabei in einem Raum, indem er sich wohl fühlt und wo sich sein Liegeplatz befindet.
Verhalte dich beim Zurückkommen so normal wie möglich. Also egal ob er süß dasitzt oder ein Malheur passiert ist. Komm einfach in den Raum.
Trennungsangst – Kontrollverlust?
Kann der erwachsene Hund nicht allein bleiben, muss man zunächst herausfinden, ob es sich um Trennungsangst oder um Kontrollverlust handelt.
Zwar ist der Trainingsweg in Bezug auf das Alleinbleiben bei beiden Ursachen ähnlich, doch in Bezug auf den Alltag müssen unterschiedliche Punkte berücksichtigt bzw. trainiert werden. Hunde mit Trennungsangst leiden tatsächlich unter der Angst, allein zu bleiben bzw. verlassen zu werden. Ursache hierfür kann ein Trauma sein, wie z.B. wenn der Welpe zu früh, von der Mutter getrennt wurde, oder auch der Verlust seines bisherigen Zuhauses. Es kann natürlich auch sein, dass der Hund das Alleinbleiben bisher einfach nicht erlernt hat, weil seine Menschen verpasst haben, ihm dies beizubringen, oder er z.B. als Straßenhund gelebt hat, sodass solche Anforderungen bisher nicht an ihn gestellt wurden.
Hunde mit Trennungsangst reagieren direkt nach dem Alleinlassen mit starkem Hecheln, aufgeregtem Hin- und Herlaufen mit Kratzen an der Tür, da sie dem Menschen folgen wollen, sowie mit Winseln, Fiepen und überwiegend Heulen, seltener auch Bellen. Das Winseln weist dabei auf das Unwohlsein des Hundes hin, durch das Heulen versucht der Hund, die Gruppenmitglieder zurückzurufen. Manche Hunde leiden auch einfach still vor sich hin, sie erstarren regelrecht. Bewegungslos liegen sie vor der Tür, bis der Mensch wieder zurückkommt. Nach einer kurzen freudigen Begrüßung fallen diese Hunde erschöpft in ihr Körbchen. Das größte Problem bei diesen Hunden liegt darin, dass die Menschen gar nicht mitbekommen, welchen Stress ihr Hund hat, und dass es ihm überhaupt nicht gut geht, wenn er allein bleiben muss. Sie beschreiben das Alleinbleiben des Hundes eher als unproblematisch. Kein Gebell, kein Gejammer, nichts wird zerstört, so wünscht man es sich doch. Der Hund aber leidet still vor sich hin und kann sich dem Menschen nicht mitteilen. Sollte Ihr Hund also nach längerem Alleinbleiben erschöpft ins Körbchen fallen, ist dies immer ein Alarmzeichen.
Im Alltag sind Hunde mit Trennungsangst auch eher in der Nähe des Menschen, sie laufen ihm hinterher, wenn dieser den Raum wechselt, und entfernen sich auch beim Spaziergang in der Regel nicht sehr weit. Kommt der Mensch zurück, wird er „begrüßt. Alleinbleiben fällt diesen Hunden überall schwer, sowohl in der eigenen Wohnung als auch z.B. im Auto. Wer beim Hund bleibt, spielt dabei keine Rolle, es kann irgendein Familienmitglied, ein guter Bekannter oder sogar ein Hundesitter, den Sie engagiert haben, sein. Für den Hund ist nur wichtig, dass er nicht allein ist.
Hunde mit Kontrollverlust dagegen leiden, weil sie es nicht ertragen können, dass sie nun auf ihren Menschen eine Weile nicht mehr aufpassen können. Sie fühlen sich verantwortlich für ihren Menschen, da sie das Gefühl haben, sich um ihren Menschen kümmern zu müssen. Einen kurzen Zeitraum ertragen diese Hunde daher das Alleinbleiben oftmals, da sie dem Menschen zutrauen, kurzfristig auch ohne ihn auszukommen. Daher kommt es meistens erst nach einer gewissen Zeit der Trennung zu Lautäußerungen, hierbei wird der Hund selten heulen, sondern eher lautstark und oft auch stundenlang bellen. Das Bellen weist dabei auf den Frust hin, den der Hund über die Abwesenheit des Menschen sowie das Eingeschlossensein empfindet. Daher werden nur selten Türen zerkratzt, vielmehr schnappt sich der Hund herumliegende Gegenstände des Menschen, die angekaut und zerstört werden.
Im Alltag verfolgen diese Hunde ihren Menschen auf Schritt und Tritt. Dabei geht es dem Hund jedoch weniger darum, beim Menschen zu sein, als darum, diesen zu kontrollieren. Sie stellen sich z.B. in den Weg und begrenzen den Menschen, setzen sich gern auf die Füße ihres Menschen oder lehnen sich an dessen Beine an. Was wie zufällig wirkt und vom Menschen oft als „liebebedürftig“ und verschmust wahrgenommen wird, ist in dem Fall eigentlich ausgeübte Kontrolle. Kommt der Mensch zurück, springt der Hund ihn durchaus mit voller Wucht an. Das ist dann übrigens kein Zeichen von Freude, wie so oft angenommen wird, sondern viel eher eine Korrektur gegenüber Herrchen oder Frauchen, da diese einfach allein rausgegangen sind, ohne den Hund mitzunehmen. Solange „sein“ Mensch, für den er sich verantwortlich fühlt, ohne ihn weggegangen ist, hat er Stress und zeigt dies auch deutlich, auch wenn ein anderes Familienmitglied, ein Bekannter oder Hundesitter beim Hund bleibt.
Das Alleinbleiben lernen
Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich das Training in Bezug auf das Alleinbleiben zunächst einmal nicht, egal ob die Ursache Trennungsangst oder Kontrollverlust ist.
Der Hund muss in sehr kleinen Schritten lernen, allein zu bleiben. In einem ersten Trainingsschritt soll der Hund dazu lernen, auf einem ihm zugewiesenen Liegeplatz liegen zu bleiben. Der Liegeplatz des Hundes sollte sich dabei an einem unstrategischen Platz befinden, also nicht direkt neben der Tür. Er sollte dem Hund ausreichend Ruhe ermöglichen, es bietet sich z. B. ein Platz in der Ecke neben der Couch an. Dein Hund soll den Liegeplatz positiv verknüpfen, belohn ihn daher anfangs dafür, wenn er sich auf dein Signal dorthin geht. Dieses Training so lange durchführen, bis dein Hund es sich auch von sich aus, also ohne dass du ihn auf den Platz geschickt hast, auf seinem Liegeplatz gemütlich macht. Bleib zu Anfang noch selbst im Raum, später kannst du diesen auch mal kurz verlassen., dann auch etwas länger. So lernt dein Hund, dass er dich nicht ständig verfolgen soll, bzw. dass er es aushalten kann, auch einmal kurz ohne deine direkte Nähe zu sein.
Schließ dann ruhig auch mal für einen kurzen Moment die Tür hinter sich, wenn du in einen anderen Raum der Wohnung gehst. So lernt dein Hund, dass du immer wieder zu ihm zurückkommst, wenn er dich nicht sehen oder hören kann. Natürlich muss er dabei nun nicht mehr auf seinem Liegeplatz liegen bleiben, denn das kann man ja auch gar nicht „kontrollieren“.
Wähle daher anfangs einen Augenblick aus, an dem sich dein Hund von sich aus auf seinem Liegeplatz niedergelassen hat.
Hunde sind sehr genaue Beobachter und können somit schon sehr früh erkennen, ob du gleich wirklich das Haus verlässt oder ob es sich um eine Trainingssequenz handelt. Denn wenn Du ihn wirklich allein lassen, ziehst du deine Jacke an, oder alleine das Geräusch des Schlüsselbundes sagt ihm „gleich ist mein Mensch weg!“ Behalten erst einmal die Jogginghose an oder gehe in Hausschuhen aus dem Haus. Parallel zu diesem Training müssen wir noch die sogenannten Schlüsselreize abbauen. Also auch mal Schuhe und Jacke anziehen und im Haus blieben. Du kannst zB den Schlüssel nehmen und dann nochmal ins Bad gehen oder einfach noch einen Kaffee trinken. Alle Schlüsselreize müssen nach und nach abgebaut werden, so das sie für den Hund so wenig Bedeutung haben. Wenn du weniger berechnend für deinen Hund bist, desto entspannter wird er auf diese Alltagsreize reagieren.
Weitere wichtige Trainingshinweise:
• Laste deinen Hund ausreichend aus, bevor du das Haus verlässt (z. B. durch Apportieren oder Nasenarbeit), dabei ist sowohl die körperliche als auch die geistige Auslastung wichtig! Ein ausgelasteter Hund wird sich eher entspannt hinlegen und ausruhen.
Geh allerdings nicht sofort nach dem Gassi oder nach dem Training weg. Sondern warte immer noch eine Weile, bevor du gehst. Da der Übergang von Aktion zu Ruhe für ihn sonst zu groß sein kann.
• Verabschieden dich nicht überschwänglich von deinem Hund.
• Auch die Begrüßung deines Hundes nach dem Zurückkommen solltest du nicht übertreiben. Es ist zwar vollkommen natürlich, dass ein Hund nach einer Trennung die zurückgekehrten Gruppenmitglieder begrüßt, jedoch verhalte dich ähnlich wie die Hündin es bei ihren Welpen, souverän und ruhig. Schließlich ist nichts Aufregendes passiert, und somit gibt es gar keinen Grund für eine überschwängliche Begrüßung.
• Bestrafen deinen Hund niemals, wenn er die Wohnung auf den Kopf gestellt, gebellt oder in die Wohnung uriniert hat. Du kannst dir sicher sein, er macht, das nicht, um dich zu ärgern! Er findet durch dieses Verhalten ein Ventil, um mit seinem Stress fertig zu werden, da er bisher noch keinen adäquaten Weg gelernt hat, in solchen Situationen mit Stress umgehen zu können. Nimm dir dies zum Anlass, im Training einige Schritte zurückzugehen, denn offensichtlich war Ihr Hund noch nicht so weit.
• Lass deinen Hund nur so lange allein, wie es der Trainingsstand zulässt. Während der Trainingszeit ist immer wichtig, dass du eine Möglichkeit findest, deinen Hund mitzunehmen bzw. durch einen anderen Menschen betreuen zu lassen.

Führst du deinen Hund – oder reagierst du nur? Gedacht ist nicht gesagt. Gesagt ist nicht gehört. Gehört ist nicht verstanden. Und verstanden ist noch lange nicht umgesetzt. Was am Ende passiert, hat oft wenig mit dem zu tun, was wir eigentlich im Kopf hatten. Neulich im Training: Ich erkläre gerade, warum wir Übungen kleinschrittig aufbauen sollten. Ich bin noch mitten im Satz – da passiert es: Der Hund springt einfach auf den Tisch. Ohne Signal. Ohne Freigabe. Ohne Absprache. Und dann passiert etwas, das wir alle kennen: Der Hund wird gestreichelt. Und gleichzeitig hört man: „Du sollst doch noch nicht springen… du musst warten.“ Und jetzt wird es wirklich spannend: Was lernt der Hund in diesem Moment? Er springt eigenständig und bekommt Aufmerksamkeit. Wir sollten uns bewusst machen: Wenn ein Hund ein Verhalten zeigt und wir darauf reagieren, können wir es unbewusst verstärken – vor allem durch die drei A’s: 👉 Ansprechen 👉 Anfassen 👉 Anschauen Für den Hund ist genau das oft schon eine Belohnung. Und so passiert es schnell, dass ein Verhalten, das wir eigentlich nicht wollen, immer häufiger gezeigt wird – weil es sich aus Sicht des Hundes lohnt. Nach der Stunde sagt eine Kundin zu mir: „Lydia, man hätte den Tisch ja auch vorher runterfahren können… das war ja auch ein bisschen gefährlich.“ Und ja – da hat sie absolut recht. Gleichzeitig zeigt dieser Moment etwas Wichtiges: Ich war gerade dabei, alles in Ruhe zu erklären. Und die eigentliche Aufgabe war gewesen, kurz zuzuhören und den eigenen Hund bei sich zu behalten. Nicht als Kritik – sondern als Einladung, genauer hinzuschauen: Führung beginnt oft genau in diesen kleinen, unscheinbaren Momenten. Denn das eigentliche Thema ist selten der Hund. Es ist unsere Wahrnehmung von Kontrolle. 👉 Führung entsteht nicht durch Worte. 👉 Führung entsteht durch klares Timing. 👉 Und durch Entscheidungen, die rechtzeitig getroffen werden. Wenn wir zögern, entscheidet unser Hund. Nicht aus Trotz – sondern weil er es kann. In meiner Hundeschule lernst du, genau diese Momente zu erkennen. Klarer zu kommunizieren. Präsenter zu sein. Und deinem Hund echte Orientierung zu geben. (Foto: Myla und Bruder Simba... mit 4 Monaten)

Wie lange gedacht, ich muss das alles alleine schaffen... Dass ich keine Hilfe brauche. Ich bin schließlich Hundetrainerin. Ich habe 20 Jahre in einer Arztpraxis gearbeitet. Ich weiß doch viel.. aus der Medizin und auch über Hunde, sowie Verhalten. Ich weiß doch, dass man oder auch der Hund nicht einfach sofort stirbt. Und trotzdem… Was ich nicht wusste – oder vielleicht lange nicht wahrhaben wollte / bzw. versucht habe zu verdrängen - ist, was in meinem Kopf passiert. Wie die Gedanken anfangen zu kreisen. Immer weiter. Immer schneller. Wie dieser innere Druck entsteht, alles verstehen zu wollen, alles kontrollieren zu wollen, noch mehr zu machen, noch besser zu werden. Und gleichzeitig bin ich weiter für andere da gewesen. Im Training. Für Menschen. Für ihre Themen, ihre Sorgen, ihre Herausforderungen. Bis zu dem Moment, an dem ich gemerkt habe: So geht es nicht weiter. Ich darf etwas verändern. Und genau das habe ich getan. Seitdem hat sich vieles verändert. Nicht alles ist „gut“ geworden. Mein Hund ist nicht plötzlich gesund geworden. Aber sie hat ihre Lebensfreude behalten. Und wir gehen diesen Weg gemeinsam. So, wie er ist. Und ich gehe ihn heute anders. Bewusster. Ehrlicher. Tierfer verbundener – mit mir selbst. In den letzten Wochen und Monaten haben mich immer wieder Nachrichten erreicht – von Kunden und Kundinnen, von Menschen, die ich im Welpentraining oder im Alltag begleiten durfte. Deren Hunde, die keine zwölf Jahre alt geworden sind, so wie Myla nun alt ist. Hunde, die plötzlich krank geworden sind. Oder die ganz unerwartet gegangen sind. Und dahinter stehen Menschen, die oft niemanden in ihrem direkten Umfeld haben, der wirklich versteht, wie sich das anfühlt. Denn von außen kommen dann Sätze wie: „Es war doch nur ein Hund.“ „Jetzt ist er doch erlöst.“ Aber was viele nicht sehen: Dieser Hund war nicht „nur“ ein Hund. Er war Begleiter, Alltagspartner, Vertrauter. Ein Wesen, um das man sich gekümmert hat, mit dem man gewachsen ist, mit dem man gelebt hat. Und wenn dieser Hund plötzlich nicht mehr da ist, dann entsteht eine Lücke. Nicht nur im Herzen – sondern im ganzem Alltag, im Leben. Im Alltag, in den Routinen, in den Gedanken. Selbst die Sorgen, die vorher da waren, fehlen auf einmal. Und genau diese Leere kann unglaublich schwer wiegen. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen. Unser Hund Atus ist 16,5 Jahre alt geworden. Und ich habe früher immer gedacht: Wenn er irgendwann geht, dann wird das nicht "so schlimm" sein. Denn es gehört ja zum Leben dazu. Er ist alt. Er hatte ein schönes Leben. Aber weißt du was? Da war diese Lücke. Und sie war da, obwohl ich „verstanden“ habe. Er hat mich so viele Jahre begleitet – auch im Training. Und jedes Mal, wenn sein Name gefallen ist, wenn wir über Trainingswege gesprochen haben, die wir gemeinsam gegangen sind, war er wieder präsent. Und ja – selbst vor ein paar Tagen kamen mir Tränen. Keine Tränen der Trauer. Sondern Tränen der Dankbarkeit. Weil er ein Teil meines Lebens war. Und immer bleiben wird. Und ich weiß auch, was es bedeutet, wenn dieser Weg irgendwann endet. Wenn auf einmal dieses Fellnäschen nicht mehr da ist. Dann ist da nicht nur Stille. Da ist eine Lücke – eine große, spürbare Lücke. Ich weiß mittlerweile, wie viel im Kopf passiert. Wie viel im Herzen passiert. Und vor allem im Nervensystem. Und genau deshalb ist es mir so wichtig geworden, das weiterzugeben. Nicht nur als Trainerin – sondern als Mensch. Ich weiß, wie es sich anfühlt, zu funktionieren. Sich selbst irgendwo zu verlieren. Und trotzdem weiterzumachen. Und ich weiß auch, wie es sich anfühlt, wenn man beginnt, wieder bei sich anzukommen. Vielleicht kann ich für dich – oder für jemanden, den du kennst – ein kleiner Anker sein. Deshalb: Fühl dich nicht allein. Wenn du magst, melde dich bei mir. Schreib mir oder ruf mich an. Und wir schauen gemeinsam, was dir in deiner aktuellen Situation helfen kann – was du daraus lernen kannst, was sich vielleicht verändern lässt oder wie du lernen kannst, damit umzugehen. Eine liebevolle Umarmung Deine Lydia

Warum verschieben wir das Leben so oft auf später? Wir sparen uns die schönen Dinge auf. Für den richtigen Moment. Für „wenn es passt“. Für irgendwann. Doch dieses Irgendwann hat die merkwürdige Eigenschaft, sich ständig zu verschieben. Erst müssen die Kinder groß werden. Erst muss das Haus abbezahlt sein. Erst muss der Alltag ruhiger werden. Erst muss noch dies, noch das. Und dann, eines Tages, stehen wir da und sagen: „Jetzt können wir es endlich genießen.“ Aber warum erst jetzt? Und werden wir "diesen Tag auch wirklich erleben??" Ich habe neulich jemanden sagen hören, sie hätten sich ihr Traumhaus gebaut – und könnten es nun endlich genießen. Sie waren beide Ende 60. Ein ganzes Leben lang hatten sie darauf hingearbeitet. Und in der Zeit, in der dieses Leben eigentlich hätte stattfinden sollen, war kein Raum dafür. Kein Morgenkaffee in Ruhe. Aber sie hatten sich doch extra eine Terrasse gebaut, wo sie schon morgens die Sonne hätten genießen könne. Kein bewusstes Wahrnehmen der Natur. Kein Innehalten. Stattdessen: Wecker, Müdigkeit, Funktionieren. Der Tag musste bewältigt werden. Das Leben wurde organisiert, aber nicht gelebt. Sie hatte beide "wichtige Jobs" - waren für andere da. "Lydia, wir haben doch jetzt noch ein paar Jährchen..." Dieser Satz geht mir nicht mehr aus dem Sinn... "wir ahen doch jetzt noch ein paar Jährchen... Und ich frage mich: Ist das wirklich der Sinn warum wir auf der Welt sind? Heute ist ein besonderer Tag. Heute hätte dieser Mensch Geburtstag, der für mich so viel mehr war als nur ein Onkel. Er war ein Stück Zuhause, ein Stück Kindheit, ein Stück Halt. Und ich bin ihm unglaublich dankbar für das, was er mir vorgelebt hat. Er hat einmal zu mir gesagt: „Mädchen, wir werden eh irgendwann sterben. Und vorher sollten wir einfach mal leben.“ Dieser Satz ist mir heute Morgen wieder ganz klar in den Sinn gekommen. Vielleicht gerade deshalb, weil ich hier saß, vor meinem Computer, der mich in den Wahnsinn getrieben hat. Dieser Moment, in dem man merkt: Es geht gerade einfach nicht mehr. Und genau da habe ich eine Entscheidung getroffen – ich mache mir jetzt erstmal eine Portion Nudeln. Ganz einfach. Weil sie immer helfen. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Es sind nicht die großen, perfekten Momente, auf die wir warten sollten. Es sind diese kleinen Entscheidungen im Alltag. Sich selbst ernst nehmen. Sich eine Pause gönnen. Etwas tun, das gut tut – jetzt, nicht später. Gerade in solchen Momenten wird auch klar, wie sehr uns die frühen Jahre prägen. Bei uns Menschen – und genauso bei Tieren. Was wir in der Kindheit oder Welpenzeit erfahren, begleitet uns. Es formt, wie wir die Welt sehen, wie wir fühlen, wie wir reagieren. Doch was machen wir daraus? Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis ganz einfach und gleichzeitig unbequem: Es gibt kein später, auf das wir uns verlassen können. Es gibt nur jetzt. Und das „Gute“, auf das wir warten – existiert das überhaupt als eigener Zeitpunkt? Oder ist es nicht vielmehr eine Entscheidung? Warum heben wir die gute Hose für besondere Anlässe auf? Warum trinken wir den guten Wein nicht einfach heute? Warum verschieben wir Freude, Ruhe, Genuss – als wären sie eine begrenzte Ressource, die man sorgfältig einteilen muss? Wann genau ist denn „gut“? Vielleicht ist gut nicht der perfekte Moment. Vielleicht ist gut einfach ein ganz normaler Tag. Ein Morgen mit Kaffee. Eine Portion Nudeln. Ein bewusster Atemzug. Ein kurzer Ausstieg aus dem Funktionieren. Vielleicht geht es nicht darum, irgendwann anzufangen zu leben. Sondern darum, es heute zu tun. Und vielleicht auch darum, sich immer wieder zu fragen: Was hilft dir – genau jetzt – wenn du denkst, es geht nicht mehr? Erzähle es mir so gerne. P.S. nachdem ich Pause gemacht hatte und meine Nudeln gegessen hatte, hat auch mein PC keine Problem mehr gemacht und ich bin froh und du kannst dich schon auch was NEUES freuen,

Fünf Uhr morgens. Die Welt schläft noch. Es ist still – zumindest im Außen. Früher war es in mir alles andere als still. HEUTE, egal, wo wir sind – zu Hause oder im Urlaub – wir gehen unsere kleine Runde. Jeden Morgen. Immer gleich. Ein Ritual, das mich hält, auch wenn in mir lange Zeit alles andere als Halt war. Die Vögel sind schon wach. Und manchmal habe ich das Gefühl, sie sind weiter als ich es lange war. Anpassen war früher meine Stärke. Oder das, was ich dafür gehalten habe. Mich einfügen. Funktionieren. Spüren, was gebraucht wird – und es geben. So lange, bis ich irgendwann nicht mehr wusste, was eigentlich *ich* brauche. Dann wurde mein Hund krank. Und plötzlich wurde aus Anpassung Überleben. Noch mehr Verantwortung. Noch mehr Kontrolle. Noch mehr dieses Gefühl, alles richtig machen zu müssen – weil so viel davon abhängt. Ich habe viel Wissen über Medizin, Diabetes, Hundetraining. Ich wollte sicher sein. Alles im Griff haben. Aber dieser Anspruch… dieser Perfektionismus … der hat mich fast wahnsinnig gemacht. Er hat mich müde gemacht. Leer. Und irgendwann auch ein Stück weit verloren. Diese frühen Morgenstunden waren lange keine friedliche Zeit. Sie waren laut. Voller Gedanken. Voller Druck. Heute sind sie anders. Heute liegt in diesen Momenten etwas, das ich früher nicht sehen konnte: Ruhe. Klarheit. Und eine leise Form von Dankbarkeit. Alles ist vorbereitet. Jeder Handgriff sitzt. Ich bewege mich ruhig, fast automatisch. Kein Stress, kein Chaos – nur dieses leise, eingespielte Miteinander. Rausgehen. Atmen. Dasein. Zurückkommen. Versorgen. Kümmern. Zucker messen. Füttern. Augentropfen. Und dann dieser kleine Moment dazwischen – in dem ich entscheiden darf: Lege ich mich nochmal hin? Oder beginne ich den Arbeitstag sofort? Früher hätte ich mir diese Frage gar nicht erlaubt. Dieses „fein sein“ mit dem eigenen Leben… so wie es ist… das kam nicht einfach. Es war ein Weg. Und ehrlich gesagt: Es ist immer noch einer. Ich bin ein feinfühliger Mensch. Ich spüre viel. Vielleicht zu viel, dachte ich lange. Im Hundetraining ist das ein Geschenk. Aber in meinem eigenen Leben hat es mich oft von mir selbst weggetragen. Ich war überall – nur nicht bei mir. Erst als ich angefangen habe, wirklich bewusst mit meinem Atem zu arbeiten, mein Nervensystem zu verstehen… hat sich etwas verändert. Nicht plötzlich. Nicht perfekt. Aber spürbar. Ich kann heute zurückkommen. Zu mir. In meinen Körper. In diesen Moment. Und ich werde nicht mehr überrollt von dem, was ich fühle – ich kann es halten. Das verändert alles. Für mich. Für meinen Hund. Und für die Menschen, mit denen ich arbeite. Weil es nicht darum geht, dass alles perfekt ist. Oder leicht. Oder kontrollierbar. Sondern darum, dass ich da bin. Wach. Verbunden. In meinem Leben. So, wie es gerade ist. Schritt für Schritt. Morgen für Morgen. Und vielleicht ist genau das der Punkt: Dass es nicht darum geht, dein Leben komplett zu verändern. Sondern einen Moment zu finden, in dem du wieder bei dir ankommst. Vielleicht genau jetzt. Atme einmal tief durch die Nase ein. Halte den Atem für einen kurzen Moment. Und dann lass ihn langsam, ganz bewusst, länger wieder ausfließen. Und spür einfach. Nicht perfekt. Nicht richtig oder falsch. Nur dich. Und wenn du merkst, wie ungewohnt sich das vielleicht anfühlt – dann ist das kein Zeichen, dass du etwas falsch machst. Sondern vielleicht genau der Anfang. Und wenn du magst, erzähl mir: Wie fühlst du dich in deinem Alltag?“

Neulich bin ich über drei Worte gestolpert: „Wald statt Ritalin.“ Und sofort war da etwas in mir. Mehrere Gefühle gleichzeitig. Der Wald… Er hat mir geholfen, mich wiederzufinden. Zur Ruhe zu kommen. Klarer zu werden. Aber ganz ehrlich? Es gab auch andere Zeiten. Zeiten, da hätte ich eine Stadt jederzeit dem Wald vorgezogen. Vor allem in den Sturm-und-Drang-Phasen meiner Hündin Myla. Ich war zwar im Wald… aber nicht wirklich bei mir. Und aus Myla’s Sicht? Naja… hätte sie entscheiden dürfen, hätte sie mich wahrscheinlich am Eingang auf eine Bank gesetzt – oder auf einen Baumstamm – und wäre alleine losgezogen. „Bleib du mal hier, ich mach mein Ding.“ Und vielleicht hätte sie mich später wieder eingesammelt. ;) Und dann war da noch dieses Gefühl… Vor zwei Jahren. Ich stand da und habe gesagt: „Ich muss hier wegziehen. Mir fehlt der Wald. Hier gibt es keinen Wald… nur Weinberge.“ Heute muss ich darüber schmunzeln. Denn ich habe die Wälder meiner Heimat wiederentdeckt. Nicht, weil sie plötzlich da waren – sondern weil ich wieder bereit war, sie zu sehen. Und vielleicht ist es genau das: Der Wald ist nicht immer nur ein Ort. Manchmal ist er ein Weg zurück zu dir selbst. 🌿 „Der Wald wirkt auf jeden anders – was löst er bei dir und deinem Hund aus?“