"Lydia, der freut sich doch sooo...!"

Anspringen ist keine Freude – oder doch?

 

Wie oft höre ich im Hundetraining die Sätze:

 

„Der freut sich doch nur.“

„Er springt mich an, weil er sich so freut.“

„Er meint das nicht böse.“

 

Und ja, die meisten Hunde meinen es tatsächlich nicht böse. Aber bedeutet Anspringen automatisch Freude?

 

Aus meiner Sicht als Hundetrainerin: Nein.

 

Anspringen ist häufig ein Verhalten, das sich im Laufe der Zeit etabliert hat, weil es – bewusst oder unbewusst – belohnt wurde. Der Hund springt hoch, bekommt Aufmerksamkeit, wird angesprochen, weggeschoben, gestreichelt oder sogar ausgeschimpft. Für viele Hunde ist jede Reaktion eine Form von Aufmerksamkeit.

 

Wenn wir einmal ehrlich sind: Würde sich ein Mensch so verhalten wie manche Hunde bei einer Begrüßung, würden wir wahrscheinlich irgendwann die Tür nicht mehr öffnen.

 

Stell dir vor, ich komme zu dir nach Hause, springe an dir hoch, dränge mich in deinen persönlichen Raum, fuchtle mit den Armen herum und höre nicht auf, obwohl du gerade die Einkaufstaschen in der Hand hast. Wahrscheinlich würdest du das nicht als besonders respektvoll empfinden.

 

Warum sollten wir es bei unseren Hunden dann einfach hinnehmen?

 

Natürlich steckt hinter dem Anspringen nicht die Absicht, unhöflich zu sein. Oft fehlt dem Hund schlicht die Orientierung: Was soll ich stattdessen tun?

 

Die gute Nachricht ist: Man kann es verändern.

 

Und zwar ohne Gewalt, ohne den Hund anzuschreien und ohne ihm das Knie entgegenzustrecken.

 

Es geht darum, ihm ein alternatives Verhalten beizubringen.

 

Zum Beispiel: Wenn jemand zur Tür hereinkommt, kann der Hund lernen, sich hinzusetzen. Doch auch hier dürfen wir ehrlich sein: Kann dein Hund das wirklich schon von alleine? Oder erwartest du etwas von ihm, das bisher nie ausreichend trainiert wurde?

 

Training bedeutet, die kleinen Schritte zu sehen und den Hund dabei zu unterstützen, erfolgreich zu sein.

 

Kommt dein Hund auf dich zu und möchte hochspringen, kannst du selbst einen kleinen Schritt auf ihn zugehen. Nicht, um ihm weh zu tun. Sondern damit der Raum, den er zum Hochspringen nutzen möchte, gar nicht erst entsteht.

 

Genauso wichtig ist es, dem unerwünschten Verhalten keine zusätzliche Aufmerksamkeit zu schenken. Nicht schimpfen. Nicht diskutieren. Nicht ständig anschauen. Denn auch das kann die Situation verstärken.

 

Spannend ist auch die Frage: Wenn du nach Hause kommst – wen begrüßt du zuerst?

 

Den Hund, der aufgeregt an der Tür wartet? Oder den Menschen, der mit dir zusammenlebt?

 

Oft beginnt genau dort das Training. In unseren Gewohnheiten. In den kleinen Momenten des Alltags.

 

Ich höre immer wieder von Kundinnen und Kunden:

 

„So viele Trainer konnten uns nicht helfen.“

„Wir haben schon alles ausprobiert.“

„Ich hätte nie gedacht, dass es so einfach sein kann.“

 

Und dann kommt irgendwann der Moment, in dem der Hund ruhig begrüßt, statt hochzuspringen. Nicht, weil er keine Freude mehr empfindet. Sondern weil er gelernt hat, diese Freude anders auszudrücken.

 

Denn ein Hund darf sich freuen.

 

Aber Freude braucht keine vier Pfoten auf deiner Brust.

 

Wenn du Unterstützung brauchst oder nicht weißt, wie du das Anspringen deines Hundes verändern kannst, melde dich gerne bei mir. In einem kurzen Telefonat schauen wir gemeinsam, wo ihr gerade steht und wie ich euch weiterhelfen kann.

 

Manchmal braucht es nur einen neuen Blickwinkel – und jemanden, der euch zeigt, wie die nächsten kleinen Schritte aussehen können.Denn Training bedeutet nicht, den Hund zu unterdrücken.


Training bedeutet, ihm zu zeigen, welches Verhalten in unserer Menschenwelt erfolgreich ist – fair, verständlich und mit ganz viel Herz.



Und wie ist es bei euch zuhause??

Erzähl gerne mal


Alles Liebe

Lydia

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