„Macht mein Hund das eigentlich mit Absicht oder leidet er einfach nur an Alzheimer?“„Gestern hat er das doch noch gekonnt!“ „Eigentlich waren wir schon viel weiter, aber irgendwie hat Bello wieder alles vergessen“.Wahrscheinlich hat jeder von euch schon einmal Sätze dieser Art gehört oder selbst gedacht oder gesagt. Meistens, wenn man kurz davor war, alles hinzuschmeißen und sich von allen zuvor gesetzten Trainingszielen zu verabschieden, da man sie ja eh nicht erreichen kann. Die gute Nachricht ist: ihr seid nicht die einzigen, denen das passiert. Und ja: Solche Momente lassen einen echt manchmal verzweifeln. Aber auch wenn es öfter mal so aussieht, als wolle euer Hund euch absichtlich in den Wahnsinn treiben, so muss man sich in solchen Situationen in Erinnerung rufen, dass dies zu einem normalen Trainingsprozess dazugehört.
„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!“
Was meine ich damit? Wieso kann ein Hund, der sonst super Fuß gehen oder Sitz machen kann, es jetzt gerade nicht? Nun, das kann viele Ursachen haben.
Die häufigste: Ablenkung.
Zu Hause ist alles vertraut, keine neuen Gerüche, Menschen oder andere Tiere. Da sind wir und auch der Hund konzentriert. Draußen sind wir beide abgelenkt, auch wenn uns das vielleicht nicht so bewusst ist.
Aber bin ich wirklich konzentriert, wenn am Horizont z.B. Enten und Schwäne auftauchen, die mein Hund nur zu gerne ins Wasser jagen würde? Und ist mein Hund wirklich konzentriert, wenn es um ihn herum aus seiner Sicht so viele interessante Sachen zu beobachten oder zu erschnüffeln sind?
Konzentration ist aber notwendig, um Lernen zu ermöglichen.
Wir würden ja auch kein Schulkind direkt an die Autobahn setzen und erwarten, dass es schwierige Mathegleichungen einwandfrei lösen kann.
Je „schwieriger“ die Aufgabe für den Hund, umso ablenkungsfreier sollten wir (zu Beginn) sein Lernumfeld halten. Grundkommandos wie Sitz, Platz oder Such kann man schnell von den eigenen vier Wänden ins Training nach draußen bringen. Von einem Hund, der zu Hause gerade mal 15 Minuten ruhig liegen bleiben kann, kann ich aber nicht verlangen, dass er aus dem Stand heraus eine Stunde auf dem Boden im Straßencafé liegen bleibt. Dort wären 5 Minuten schon eine Leistung.Da gibt es aber auch Möglichkeiten, den Liegeplatz im Café schmackhaft zu machen. z.B mit einem Kauartikel. (besonders effektiv, wenn er schon zu Hause gelernt hat, "den Knabberspaß bekomme ich nur auf der Decke")
Erwartet nicht zu viel von eurem Hund, aber auch nicht von euch selbst. Zerlegt größere Trainingsschritte in kleiner Abschnitte und steigert bei schwierigeren Übungen die Ablenkung. Behaltet euch selber im Auge, seid ihr mehr auf das Drumherum konzentriert als auf euren Hund, sucht eine für euch, den Hund oder euch beide reizarmere Umgebung.
Und bevor ihr die Geduld verliert: einfach mal eine Runde ein- und wieder ausatmen. Falls das nicht hilft, einfach zum vorherigen Trainingsschritt zurückgehen und von dort wieder von neuem anfangen.
Und falls auch das nicht hilft, habt ihr ja immer noch eine Hundetrainerin an eurer Seite, die euch gerne weiterhilft
 
Und dann sind da noch die Tage, an denen man einfach akzeptieren sollte, dass man bestenfalls den momentanen Status beibehalten aber nicht ausbauen kann. Auch der Hund kann mal einen schlechten Tag haben. Wichtig ist nur, jedes Training mit einem positiven Ergebnis bzw. einem korrekt ausgeführten Befehl zu beenden, bevor man den lieben Gott einfach nur einen guten Mann sein lässt und das Training für heute beendet. In diesem Sinne, bitte nicht verzweifeln, sollte sich der gewünschte Erfolg nicht sofort einstellen oder wenn man Dinge, die letztens noch funktioniert haben, wiederholen muss. Jede Zeit, die man im Training mit seinem Hund verbringt, führt zu einer besseren Bindung und damit langfristig zum gewünschten Erfolg. Zum Schluss noch ein aufmunterndes Beispiel, das ich neulich mit einem Jäger erlebt habe.
Er wollte, dass seine 1,5 Jahre alte Hündin bei der Treibjagd oder auch „nur“ bei Ablenkung durch andere Hunde, ganz ruhig „bleibt“ und sich deswegen auch nicht lautstark beschwert. Dies war auch Teil der Jagdprüfung, die in 2½ Wochen anstand. Wir haben also das große Trainingsziel, trotz Ablenkung ohne sich zu beschweren zu „bleiben“, in kleinere Schritte zerlegt. Da sie schon ohne Ablenkung nicht gut das Signal „Bleib“ konnte, mussten wir dies erst einmal festigen. Dann konnten wir die Ablenkung peau à peau steigern und siehe da, sie hatte es relativ schnell konditioniert.
DECKE= PAUSE= ENTSPANNUNG  =egal was Drumherum passiert!
 

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Führst du deinen Hund – oder reagierst du nur? Gedacht ist nicht gesagt. Gesagt ist nicht gehört. Gehört ist nicht verstanden. Und verstanden ist noch lange nicht umgesetzt. Was am Ende passiert, hat oft wenig mit dem zu tun, was wir eigentlich im Kopf hatten. Neulich im Training: Ich erkläre gerade, warum wir Übungen kleinschrittig aufbauen sollten. Ich bin noch mitten im Satz – da passiert es: Der Hund springt einfach auf den Tisch. Ohne Signal. Ohne Freigabe. Ohne Absprache. Und dann passiert etwas, das wir alle kennen: Der Hund wird gestreichelt. Und gleichzeitig hört man: „Du sollst doch noch nicht springen… du musst warten.“ Und jetzt wird es wirklich spannend: Was lernt der Hund in diesem Moment? Er springt eigenständig und bekommt Aufmerksamkeit. Wir sollten uns bewusst machen: Wenn ein Hund ein Verhalten zeigt und wir darauf reagieren, können wir es unbewusst verstärken – vor allem durch die drei A’s: 👉 Ansprechen 👉 Anfassen 👉 Anschauen Für den Hund ist genau das oft schon eine Belohnung. Und so passiert es schnell, dass ein Verhalten, das wir eigentlich nicht wollen, immer häufiger gezeigt wird – weil es sich aus Sicht des Hundes lohnt. Nach der Stunde sagt eine Kundin zu mir: „Lydia, man hätte den Tisch ja auch vorher runterfahren können… das war ja auch ein bisschen gefährlich.“ Und ja – da hat sie absolut recht. Gleichzeitig zeigt dieser Moment etwas Wichtiges: Ich war gerade dabei, alles in Ruhe zu erklären. Und die eigentliche Aufgabe war gewesen, kurz zuzuhören und den eigenen Hund bei sich zu behalten. Nicht als Kritik – sondern als Einladung, genauer hinzuschauen: Führung beginnt oft genau in diesen kleinen, unscheinbaren Momenten. Denn das eigentliche Thema ist selten der Hund. Es ist unsere Wahrnehmung von Kontrolle. 👉 Führung entsteht nicht durch Worte. 👉 Führung entsteht durch klares Timing. 👉 Und durch Entscheidungen, die rechtzeitig getroffen werden. Wenn wir zögern, entscheidet unser Hund. Nicht aus Trotz – sondern weil er es kann. In meiner Hundeschule lernst du, genau diese Momente zu erkennen. Klarer zu kommunizieren. Präsenter zu sein. Und deinem Hund echte Orientierung zu geben. (Foto: Myla und Bruder Simba... mit 4 Monaten)