IGNORIEREN..... die 3 A´s
Was bedeutet „ignorieren“ eigentlich wirklich?
„Aber ich habe ihn doch ignoriert.“
Diesen Satz höre ich im Hundetraining ständig.
„Ich habe ihm keinen Keks gegeben.“
„Ich habe doch gar nichts gemacht.“
„Ich habe ihn komplett ignoriert.“
Aber stimmt das wirklich?
Denn ignorieren bedeutet viel mehr, als einfach nur keine Belohnung zu geben.
Für mich besteht echtes Ignorieren immer aus den drei A‘s:
- nicht Ansprechen
- nicht Anschauen
- nicht Anfassen
Und genau da wird es im Alltag plötzlich ziemlich schwierig.
Denn Hand aufs Herz:
Theorie und Praxis sind oft zwei völlig verschiedene Welten.
Wir sind Menschen.
Wir reagieren automatisch.
Wir denken nicht jede Sekunde bewusst über unser Verhalten nach.
Und genau deshalb ist Hundetraining manchmal so spannend:
Weil man im Alltag plötzlich merkt, wie schnell man doch wieder reagiert.
Und dann gibt es da noch diese Hunde…
Diese Hunde, die gefühlt einfach schlauer sind als wir. :)
Und nein – ich glaube nicht, dass Hunde morgens aufstehen und überlegen:
„Wie kann ich meinen Menschen heute maximal nerven?“
Auch wenn es sich manchmal genau so anfühlt. ;)
Am Ende macht dein Hund einfach das, was für ihn sinnvoll ist.
Er versucht, das Beste aus eurem Zusammenleben herauszuholen.
Und Aufmerksamkeit ist für viele Hunde unglaublich wertvoll.
Wenn dein Hund dir also den ganzen Tag durchs Haus hinterherläuft, denkst du vielleicht:
„Ich ignoriere das jetzt einfach.“
Aber kannst du das wirklich?
Denn ignorieren bedeutet eben nicht nur:
keinen Keks geben.
Es bedeutet:
#nicht ansprechen,
#nicht anschauen,
#nicht anfassen.
Und genau an diesem Punkt scheitert es im Alltag oft.
Denn wenn dein Hund dir seit 30 Minuten hinterherläuft und du irgendwann doch reagierst – weil du fast über ihn stolperst, die Tür schließen willst oder genervt sagst:
„Jetzt geh doch mal weg“,
dann hat dein Hund bereits etwas gelernt:
„Ahhh… ich muss nur lange genug dranbleiben und irgendwann bekomme ich Aufmerksamkeit.“
Und dabei ist es völlig egal, ob die Aufmerksamkeit freundlich, genervt oder schimpfend ist.
Aufmerksamkeit bleibt Aufmerksamkeit.
Deshalb sage ich oft:
Manche Hunde kann man im Alltag gar nicht sinnvoll ignorieren.
Zumindest nicht dauerhaft.
Denn du möchtest ja auch nicht ständig Angst haben, über deinen Hund zu fallen oder permanent aufpassen müssen, wo er gerade läuft.
Was in solchen Situationen häufig viel besser funktioniert:
Ein entspannter Liegeplatz.
Ein Ort, an dem dein Hund wirklich zur Ruhe kommen kann.
Ohne Action.
Ohne Dauerbespaßung.
Ohne ständig mittendrin zu sein.
Und ja:
Am Anfang darfst du deinem Hund dabei natürlich helfen.
Du kannst ihn auf seinen Platz schicken oder ihn auch mit einem Keks auf die Decke locken.
Das Wichtigste am Anfang ist nicht Perfektion.
Das Wichtigste ist:
Der Hund lernt, dort entspannt zu bleiben.
Sobald das klappt, kannst du langsam anfangen, die Distanz zu vergrößern.
Und genau das ist wieder echtes Alltagstraining.
Denn sobald Kinder durchs Haus laufen, Besuch da ist oder mehrere Menschen unterwegs sind, wird es automatisch schwieriger.
Deshalb:
arbeite kleinschrittig.
Und noch etwas ist wichtig:
Nach jeder Belohnung braucht es wieder ein klares Bleib-Signal.
Denn viele Hunde denken sonst:
„Belohnung beendet Aufgabe.“
Und dann stehen sie sofort wieder auf.
Außerdem solltest du deinen Hund am Ende ruhig direkt am Liegeplatz auflösen.
Ohne Party.
Ohne große Emotionen.
Ganz selbstverständlich.
Denn auch das gehört zum Thema ignorieren.
Nach dem Auflösen ist der Hund erstmal einfach nur da.
Und die
Luft…
die spreche ich nicht an,
die schaue ich nicht an,
und die fasse ich nicht an.
Kennst du solche Situationen aus deinem Alltag mit deinem Hund?
Dann schreib mir gerne eine Mail und erzähl mir von euren Herausforderungen.
Oft sind es genau die kleinen Alltagssituationen, die langfristig den größten Unterschied machen.
Ich freue mich darauf, von euch zu lesen 🐾


