G E D U L D....
Geduld — mit deinem Hund, deinen Mitmenschen und vor allem mit dir selbst
Geduld ist etwas, das wir oft erst wirklich verstehen, wenn uns das Leben immer wieder dazu einlädt, langsamer zu werden.
Früher dachte ich oft, Entwicklung müsse schnell gehen. Probleme müssten gelöst werden, Verhalten sich verändern, Fortschritte sichtbar sein. Doch gerade durch die Arbeit mit Hunden habe ich gelernt, dass echter Wandel niemals unter Druck entsteht.
Ein Hund zeigt uns sehr ehrlich, wie es ihm geht. Er funktioniert nicht einfach, nur weil wir es möchten. Er reagiert auf unsere Stimmung, unsere Energie, unsere innere Ruhe — oder eben auf unseren Stress. Genau darin liegt eine der größten Lektionen, die Hunde uns schenken können: Geduld.
Geduld bedeutet nicht, alles einfach hinzunehmen oder tatenlos zu warten. Es bedeutet vielmehr, präsent zu bleiben. Zuhören zu lernen. Prozesse zu respektieren. Vertrauen zu entwickeln — in den Hund, in andere Menschen und auch in uns selbst.
Besonders im Hundetraining durfte ich erkennen, wie wichtig es ist, nicht gegen ein Verhalten zu arbeiten, sondern zu verstehen, warum es überhaupt entsteht. Viele Themen haben ihren Ursprung im Nervensystem, in Unsicherheit, Überforderung oder fehlender Regulation — sowohl beim Hund als auch beim Menschen.
Und genau dort beginnt für mich heute echte Veränderung:
nicht durch Druck,
nicht durch Perfektion,
sondern durch Verständnis, Ruhe und Verbindung.
Doch die wohl schwierigste Form der Geduld ist die mit uns selbst.
Mein Papa hat früher oft zu mir gesagt:
„Lydia, sei nicht so streng mit dir. Wärst du mit deinen Freunden auch so streng, dann hättest du keine mehr.“
Und ehrlich gesagt steckt darin so viel Wahrheit.
Wir gehen mit uns selbst oft viel härter um als mit den Menschen, die wir lieben. Wir erwarten ständig mehr, wollen funktionieren, alles richtig machen und vergessen dabei, dass auch wir nur Menschen sind — mit Gefühlen, Grenzen und eigenen Prozessen.
Ich habe in all den Jahren gelernt, meinem Bauchgefühl mehr zu vertrauen. Nicht jedem schnellen Weg hinterherzulaufen, sondern genauer hinzusehen. Und ich bin heute sehr dankbar für all die Erfahrungen, die mich genau hierher geführt haben.
Denn am Ende schließt sich oft der Kreis:
Die Geduld, die wir unserem Hund schenken,
dürfen wir auch unseren Mitmenschen geben —
und vor allem uns selbst.


