Ein Satz, den ich sehr oft höre...
„Aber wir haben das doch schon ein paar Mal geübt. Warum funktioniert es denn immer noch nicht?“
Kennst du diesen Gedanken?
Vielleicht hast du ihn selbst schon ausgesprochen. Vielleicht hast du dich auch schon gefragt, warum dein Hund etwas im Training scheinbar verstanden hat, es aber im Alltag plötzlich wieder vergessen scheint.
„Lydia, wir haben das doch schon zwei-, dreimal geübt.“ Ja. Haben wir. Oder fünfmal. Vielleicht sogar zehnmal.
Aber weißt du was? Das bedeutet noch lange nicht, dass dein Hund es wirklich verstanden und verinnerlicht hat.
Und ich möchte, dass du genau das verstehst:
Dein Hund lernt nicht nach dem Prinzip: Ein paar Mal gemacht – also kann ich es jetzt.
Hunde brauchen Wiederholungen. Sie brauchen Verlässlichkeit. Sie brauchen Menschen, die ihnen auch dann Orientierung geben, wenn es schwierig wird.
Nicht nur auf dem Hundeplatz. Nicht nur während einer Trainingseinheit. Nicht nur dann, wenn du gerade daran denkst, eine Übung zu machen.
Sondern mitten im ganz normalen Alltag.
Beim Spaziergang. Wenn Besuch kommt. Wenn es an der Tür klingelt. Wenn plötzlich etwas Unvorhergesehenes passiert.
Und genau da zeigt sich, ob das Training wirklich angekommen ist.
Ich höre dann manchmal: „Aber Lydia, muss ich das denn jetzt wirklich jedes Mal so machen?“
Meine Antwort ist: Ja. Immer wieder.
Zumindest so lange, bis dein Hund verstanden hat, dass er sich auf dich verlassen kann und sich nicht selbst um alles kümmern muss.
Stell dir einen territorial veranlagten, gleichzeitig unsicheren Hund vor.
Plötzlich steht jemand vor der Tür. Auf dem Grundstück verändert sich etwas. Ein fremder Mensch taucht auf.
Und dein Hund bekommt von dir sinngemäß die Botschaft: „Bello, mach du mal.“
Was passiert?
Du überlässt ihm eine Situation, die ihn vielleicht selbst überfordert. Er fühlt sich zuständig, muss entscheiden und übernimmt möglicherweise eine Aufgabe, die er gar nicht bewältigen kann.
Und dann wundern wir uns, warum er bellt, nach vorne geht oder keine Ruhe findet.
Dabei ist er nicht unbedingt stur. Er will dich nicht ärgern. Und er ignoriert dich nicht zwangsläufig absichtlich.
Vielleicht hat er schlicht noch nicht gelernt, dass du diese Verantwortung übernimmst.
Und genau hier beginnt für mich echte Führung.
Nicht darin, deinem Hund den ganzen Tag irgendwelche Kommandos entgegenzurufen.
Sondern darin, ihm durch dein Verhalten immer wieder zu vermitteln:
„Du musst dich nicht um alles kümmern. Ich sehe die Situation. Ich übernehme. Du darfst dich an mir orientieren.“ Aber das entsteht nicht von heute auf morgen.
Und ganz sicher nicht durch zwei oder drei Wiederholungen auf dem Hundeplatz.
Es entsteht durch Konsequenz, Geduld und Verlässlichkeit. Durch die vielen kleinen Situationen, in denen du deinem Hund zeigst, dass er sich auf dich verlassen kann.
Ich weiß, manchmal ist das anstrengend. Manchmal hast du das Gefühl, immer wieder bei null anzufangen.
Aber bitte gib nicht auf, nur weil etwas nach ein paar Trainingseinheiten noch nicht funktioniert.
Dein Hund braucht nicht noch mehr hektische Übungen. Er braucht einen Menschen, der ihm verständlich, fair und verlässlich Orientierung gibt.
Merke dir deshalb eines:
Training endet nicht, wenn die Übung vorbei ist.
Training beginnt dort, wo du das Gelernte in euren gemeinsamen Alltag überträgst.
Denn ich möchte nicht, dass dein Hund nur während dem Training "funktioniert".
Ich möchte, dass ihr auch draußen, zu Hause und in schwierigen Situationen ein Team seid.
Und genau daran arbeiten wir gemeinsam. ❤️



