„Ich hätte nie gedacht, dass mich ausgerechnet die schwierigste Zeit meines Lebens zurück zu mir selbst führt.“

NataschaHoffmann_myla
Fünf Uhr morgens.
Die Welt schläft noch. Es ist still – zumindest im Außen.

Früher war es in mir alles andere als still.


HEUTE, egal, wo wir sind – zu Hause oder im Urlaub – wir gehen unsere kleine Runde. 
Jeden Morgen. Immer gleich. Ein Ritual, das mich hält, auch wenn in mir lange Zeit alles andere als Halt war.
Die Vögel sind schon wach. Und manchmal habe ich das Gefühl, sie sind weiter als ich es lange war.

Anpassen war früher meine Stärke. Oder das, was ich dafür gehalten habe.
Mich einfügen. Funktionieren. Spüren, was gebraucht wird – und es geben.
So lange, bis ich irgendwann nicht mehr wusste, was eigentlich *ich* brauche.

Dann wurde mein Hund krank.

Und plötzlich wurde aus Anpassung Überleben.
Noch mehr Verantwortung. Noch mehr Kontrolle. Noch mehr dieses Gefühl, alles richtig machen zu müssen – weil so viel davon abhängt.

Ich habe viel Wissen über Medizin, Diabetes, Hundetraining.
Ich wollte sicher sein. Alles im Griff haben.
Aber dieser Anspruch… dieser Perfektionismus…
der hat mich fast wahnsinnig gemacht.

Er hat mich müde gemacht.
Leer.
Und irgendwann auch ein Stück weit verloren.


Diese frühen Morgenstunden waren lange keine friedliche Zeit.
Sie waren laut. Voller Gedanken. Voller Druck.


Heute sind sie anders.

Heute liegt in diesen Momenten etwas, das ich früher nicht sehen konnte:
Ruhe.
Klarheit.
Und eine leise Form von Dankbarkeit.


Alles ist vorbereitet. Jeder Handgriff sitzt.
Ich bewege mich ruhig, fast automatisch.
Kein Stress, kein Chaos – nur dieses leise, eingespielte Miteinander.

Rausgehen. Atmen. Dasein.
Zurückkommen. Versorgen. Kümmern.
Zucker messen. Füttern. Augentropfen.

Und dann dieser kleine Moment dazwischen –
in dem ich entscheiden darf:
Lege ich mich nochmal hin?
Oder beginne ich den Arbeitstag sofort?

Früher hätte ich mir diese Frage gar nicht erlaubt.

Dieses „fein sein“ mit dem eigenen Leben…
so wie es ist…
das kam nicht einfach.

Es war ein Weg.
Und ehrlich gesagt: Es ist immer noch einer.

Ich bin ein feinfühliger Mensch.
Ich spüre viel. Vielleicht zu viel, dachte ich lange.

Im Hundetraining ist das ein Geschenk.
Aber in meinem eigenen Leben
hat es mich oft von mir selbst weggetragen.

Ich war überall – nur nicht bei mir.

Erst als ich angefangen habe, wirklich bewusst mit meinem Atem zu arbeiten,
mein Nervensystem zu verstehen…
hat sich etwas verändert.

Nicht plötzlich.
Nicht perfekt.
Aber spürbar.

Ich kann heute zurückkommen.
Zu mir.
In meinen Körper.
In diesen Moment.

Und ich werde nicht mehr überrollt von dem, was ich fühle –
ich kann es halten.

Das verändert alles.
Für mich.
Für meinen Hund.
Und für die Menschen, mit denen ich arbeite.


Weil es nicht darum geht, dass alles perfekt ist.
Oder leicht.
Oder kontrollierbar.

Sondern darum, dass ich da bin.

Wach.
Verbunden.
In meinem Leben.

So, wie es gerade ist.

Schritt für Schritt.
Morgen für Morgen.

Und vielleicht ist genau das der Punkt:

Dass es nicht darum geht, dein Leben komplett zu verändern.
Sondern einen Moment zu finden, in dem du wieder bei dir ankommst.

Vielleicht genau jetzt.

Atme einmal tief durch die Nase ein.
Halte den Atem für einen kurzen Moment.
Und dann lass ihn langsam, ganz bewusst, länger wieder ausfließen.

Und spür einfach.

Nicht perfekt.
Nicht richtig oder falsch.
Nur dich.

Und wenn du merkst, wie ungewohnt sich das vielleicht anfühlt –
dann ist das kein Zeichen, dass du etwas falsch machst.

Sondern vielleicht genau der Anfang.

Und wenn du magst, erzähl mir:
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