WARUM?

Warum verschieben wir das Leben so oft auf später?

Wir sparen uns die schönen Dinge auf. Für den richtigen Moment. Für „wenn es passt“. Für irgendwann. 
Doch dieses Irgendwann hat die merkwürdige Eigenschaft, sich ständig zu verschieben. 
Erst müssen die Kinder groß werden. 
Erst muss das Haus abbezahlt sein. Erst muss der Alltag ruhiger werden. 
Erst muss noch dies, noch das.

Und dann, eines Tages, stehen wir da und sagen: „Jetzt können wir es endlich genießen.“

Aber warum erst jetzt? Und werden wir "diesen Tag auch wirklich erleben??"

Ich habe neulich jemanden sagen hören, sie hätten sich ihr Traumhaus gebaut – und könnten es nun endlich genießen. Sie waren beide Ende 60. Ein ganzes Leben lang hatten sie darauf hingearbeitet. Und in der Zeit, in der dieses Leben eigentlich hätte stattfinden sollen, war kein Raum dafür. Kein Morgenkaffee in Ruhe. Aber sie hatten sich doch extra eine Terrasse gebaut, wo sie schon morgens die Sonne hätten genießen könne. Kein bewusstes Wahrnehmen der Natur. Kein Innehalten. 
Stattdessen: Wecker, Müdigkeit, Funktionieren. Der Tag musste bewältigt werden. Das Leben wurde organisiert, aber nicht gelebt. Sie hatte beide "wichtige Jobs" - waren für andere da. "Lydia, wir haben doch jetzt noch ein paar Jährchen..."

Dieser Satz geht mir nicht mehr aus dem Sinn... "wir ahen doch jetzt noch ein paar Jährchen...
Und ich frage mich: Ist das wirklich der Sinn warum wir auf der Welt sind?

Heute ist ein besonderer Tag. Heute hätte dieser Mensch Geburtstag, der für mich so viel mehr war als nur ein Onkel. Er war ein Stück Zuhause, ein Stück Kindheit, ein Stück Halt. Und ich bin ihm unglaublich dankbar für das, was er mir vorgelebt hat.

Er hat einmal zu mir gesagt:
„Mädchen, wir werden eh irgendwann sterben. Und vorher sollten wir einfach mal leben.“

Dieser Satz ist mir heute Morgen wieder ganz klar in den Sinn gekommen.

Vielleicht gerade deshalb, weil ich hier saß, vor meinem Computer, der mich in den Wahnsinn getrieben hat. Dieser Moment, in dem man merkt: Es geht gerade einfach nicht mehr. Und genau da habe ich eine Entscheidung getroffen – ich mache mir jetzt erstmal eine Portion Nudeln. Ganz einfach. Weil sie immer helfen.

Und vielleicht ist genau das der Punkt.

Es sind nicht die großen, perfekten Momente, auf die wir warten sollten. Es sind diese kleinen Entscheidungen im Alltag. Sich selbst ernst nehmen. Sich eine Pause gönnen. Etwas tun, das gut tut – jetzt, nicht später.

Gerade in solchen Momenten wird auch klar, wie sehr uns die frühen Jahre prägen. Bei uns Menschen – und genauso bei Tieren. Was wir in der Kindheit oder Welpenzeit erfahren, begleitet uns. Es formt, wie wir die Welt sehen, wie wir fühlen, wie wir reagieren.

Doch was machen wir daraus?

Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis ganz einfach und gleichzeitig unbequem: Es gibt kein später, auf das wir uns verlassen können. Es gibt nur jetzt. Und das „Gute“, auf das wir warten – existiert das überhaupt als eigener Zeitpunkt? Oder ist es nicht vielmehr eine Entscheidung?

Warum heben wir die gute Hose für besondere Anlässe auf? Warum trinken wir den guten Wein nicht einfach heute? Warum verschieben wir Freude, Ruhe, Genuss – als wären sie eine begrenzte Ressource, die man sorgfältig einteilen muss?

Wann genau ist denn „gut“?

Vielleicht ist gut nicht der perfekte Moment. Vielleicht ist gut einfach ein ganz normaler Tag. Ein Morgen mit Kaffee. Eine Portion Nudeln. Ein bewusster Atemzug. Ein kurzer Ausstieg aus dem Funktionieren.

Vielleicht geht es nicht darum, irgendwann anzufangen zu leben.

Sondern darum, es heute zu tun.

Und vielleicht auch darum, sich immer wieder zu fragen:

Was hilft dir – genau jetzt – wenn du denkst, es geht nicht mehr? Erzähle es mir so gerne.

P.S. nachdem ich Pause gemacht hatte und meine Nudeln gegessen hatte, hat auch mein PC keine Problem mehr gemacht und ich bin froh und du kannst dich schon auch was NEUES freuen,


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